Kategorien: Themenwelt, Jüdische Geschichte, Stadtrundgänge, Tod und Leben

28.11.06

Permalink 15:00:55, Kategorien: Themenwelt, Denkarium 2006-2009, Texte  

Geistloser Zeitgeist

„Geistlose kann man nicht begeistern,
aber fanatisieren kann man sie.“

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach
(österreichische Schriftstellerin)

Er schlich sich anfangs wieder unbemerkt zurück ins Land. Klingelte nur vereinzelt an den Türen. Meist waren es solche, an denen er schon immer geklingelt hatte und ihm wurde mit Begeisterung die Tür geöffnet. Reichlich aufgetischt wurde für ihn, sprach er doch dieselbe Sprache, die die man noch kannte, die die einen selbst erhob, um den Unterschied zu machen und auf andere herabzublicken.
Vieles passierte im Land, das ihm neue, bis dahin verschlossene Türen öffnete. Vielen Menschen, die ihn noch nicht kannten, sprach er aus ihrer unzufriedenen Seele. Er bot ihnen die Sprache für ihre Vor-Urteile, die es ihnen fortan ermöglichten das auch laut auszusprechen. Immer weniger hinter verschlossenen Türen, immer mehr auch öffentlich.
Er wurde zu einem gewohnten Teil der Sprache, definierte Neues, machte Unterscheidungen, trennte das Eine vom Anderen, schaffte Mauern und schaffte sprachliche Worthülsen, die bis zum Rand mit geistlosen Vor-Urteilen gefüllt werden konnten. Vereinzelt gab es Menschen, die auf seine Anwesenheit hinwiesen, doch sie wurden und werden totgeschwiegen, die übrigens perfideste Art des Rufmordes …

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08.05.06

Permalink 12:06:33, Kategorien: Themenwelt, Tod und Leben  

Suizid - immer noch ein Tabu-Thema

"Die Frage nach dem Tod,
ist immer auch die Frage nach dem Leben."

Der Suizid ist immer noch ein Tabu-Thema. Begriffe wie "Selbstmord" und "Freitod" kursieren im allgemeinen Sprachgebrach und transportieren unsere verborgenen Ansichten dahinter... Der Tod selbst, der am Ende unser aller Leben steht, ist schon Tabu genug.
Ängste und Phantasien bestimmen und bewerten den eigenen Umgang damit. "Er" - eine beliebte "Benennung" des Todes, ohne das Wort direkt an- und auszusprechen - ist doch noch soweit weg. Denn, wenn ich es an- oder ausspreche, dann passiert es...
Und sterben, tun immer die anderen und die, deren Todesanzeigen in der Zeitung stehen...

mond

Wussten Sie, dass im Jahr 2003 bundesweit 11.150 Menschen durch Suizid gestorben sind? Davon sind 73,4 % Männer. Im Vergleich dazu sterben im selben Zeitraum und Jahr durch Unfall 6.606 Menschen, durch Drogen 1.477.

Solange, bis es mich (in-)direkt betrifft. Doch, wie sieht es mit der Beratung und Begleitung von Menschen, von Kindern und Jugendlíchen aus, die sich mit diesem Thema auseinandersetzten, die Möglichkieten suchen, Raum brauchen, um ihre Gedanken formulieren zu können, die Ernst genommen werden wollen?
Auf wen oder was treffen diese Menschen? Auf eine Mauer des Schweigens oder des verharmlosenden "Darüberwegredens"? Wieweit haben wir uns selbst damit beschäftigt? Interessante Fragen, die nur jede und jeder für sich beantworten kann, doch unbedingt im Dialog mit anderen besprechen sollte!!!

Ich habe am Wochenenende ein sehr interessantes Seminar zu diesem Thema besucht und viele vertraute und auch neue Impulse mitgenommen, die mir in der Beratung mit Jugendlichen die Angst vor solchen Gesprächen noch einmal mehr genommen hat und ein wenig meine Arbeitsweise mit Jugendlichen bestätigt hat.

Ein Thema, an dem ich dran bleibe, weil ich es für unheimlich wichtig halte! Was meinen Sie?

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