
Abwarten
bleiben
fest-stecken
bei
der Klinke,
die aus dem Leben führt
fest-halten
aus Angst ...
...vor dem Leben,
das zu nah an mich herankommt,
mich
soviel spüren lässt
Genug
gewartet
geblieben
festgesteckt
bei
der Klinke
die nichts bewegen darf
los-lassen
aus Freude,
aus Neugier
aus der Lust am LEBEN ...
Als ich heute Morgen meinen letzten Text vom 14. April las, war ich selbst so von mir be-rührt, wie selten zuvor …
…, weil ich mich in dem Moment wahr genommen habe.
…, weil ich vergessen hatte, dass ich diesen Text geschrieben habe …
…, weil „es“ mich, wenn ich da bei mir bleibe, trägt und zwar überallhin.
…, weil ich selbst es bin, die dafür Sorge trägt, immer wieder neu.
…, weil ich genau DAS nicht mehr mit zu vielen Worten wieder weg-schreiben möchte.
Im Moment spüre ich das nächtliche Traumgefühl, wobei die Handlung eher nebensächlich ist, noch Stunden später in meinem Tag.
Gestern und vorgestern war es ein getragenes Gefühl, das mich meinen Tag schon um 6.00 Uhr hat beginnen lassen. Ja!
Heute bin ich mit einem ziemlich verlorenen Gefühl wach geworden und spürte sehr schnell den Drang mich und den Beginn des Tages wieder müde zu schlafen, um dem Gefühl auszuweichen. Nein!
Gestern, vorgestern, heute, jetzt. Jetzt GERADE spüre ich, wie verloren ich mich fühle,
…wenn ich das Meer in mir verlasse,
…wenn ich mehr nach außen schaue,
…wenn ich ein vernünftiges Ziel anstrebe und schon ohne mich da bin und mich wundere, dass (s)ich alles so leer anfühlt.
Jetzt GERADE spüre ich mich am Meer.

Foto: Renate Witt-Frey

Als ich an diesem Morgen wach wurde, hatte nicht der Wecker geklingelt, sondern es war jemand an der Haustür. Ich schaute auf die Uhr: 7.50 Uhr. Da die Post heute streiken würde, ist es eher unwahrscheinlich, dass unser Postbote trotzdem und schon eine halbe Stunde früher klingelt. Also stand ich auf und ging zur Tür. Natürlich im Schlafanzug, das merkte ich aber erst an dem Grinsen unserer Nachbarin, die natürlich in genau DIESEM Moment aus ihrer Wohnungstür kam und mir ein „Guten Morgen, aus dem Bett gefallen?“ mit in meinen Tag gab. Ich liebe es, wenn ich um diese Uhrzeit und ohne Kaffee Konversation machen soll. Aber, ich war ja aufgestanden, weil jemand geklingelt hatte.
Und dann kam er hoch. Es war ein Mann, und ich dachte, als ich ihn so die Treppe heraufkommen sah, irgendwoher kenne ich ihn. Ein bisschen unsicher und verlegen, das gebe ich zu, meinen Füßen wurde es auch schon kalt. Also, ich liebe meinen roten Schlafanzug, keine Frage, aber in diesem Moment wünschte ich mir, ich würde zu der Gattung von Frühaufstehern gehören, die schon um 7.30 Uhr geduscht, ordentlich gekämmt, gefrühstückt und sortiert ihre Wohnungstüren öffneten, hinter denen natürlich eine tadellos saubere und aufgeräumte Wohnung auf den Besucher wartete.
Als er mit einem breiten Grinsen die Treppe heraufkam, in der einen Hand eine Brötchentüte und in der anderen einen DINA4-Umschlag trug, wäre ich fast vor Schreck tot umgefallen.
„Entschuldige, dass ich so früh bin, aber ich habe die Nacht durchgeschrieben und als ich den Umschlag in der Post fand, bin ich sofort los. Hast du Kaffee?“
„Klar, komm rein!“ Ich ließ ihn in meine Wohnung, setzte den Kaffee auf, bat ihn sich wie zuhause zu fühlen und vielleicht den Frühstückstisch mit dem zu decken, was der Kühlschrank so hergab Dann schnappte ich mir Klamotten und verschwand im Badezimmer.
„Ach du Scheiße, er ist wirklich hier, hier bei mir: Andreas Steinhöfel. DER Andreas Steinhöfel! Wow, ich schaute in mein Spiegelbild und erschrak noch einmal, aber an diesem Gesicht ließ sich jetzt auf die Schnelle echt nicht mehr viel ändern. O.K., ich konnte mit einem Schwung kalten Wasser lediglich etwas munterer aussehen. Na ja, ich vertraute ganz auf die schnell einsetzende Wirkung des Kaffees.
„Willst du gar nicht wissen, was ich dir mitgebracht habe?“ Ach ja, der DINA4-Umschlag.
„Was ist es?“
„Dein Honorarvertrag vom Carlsen-Verlag für deine neue Geschichte mitsamt dem ersten Vorschuss-Scheck!“
„Geil, lass uns mit Kaffee darauf anstoßen!“
Genau in diesem wunderschönen Moment klingelte es. Erneut die Haustür, doch als es nicht aufhörte, wurde ich wach und begriff, dass ich das alles nur geträumt war. Und ja, es war wirklich die Haustürklingel. Also stand ich auf und ging zur Tür. Natürlich im Schlafanzug, das merkte ich aber erst an dem Grinsen unseres Postboten, der einen DINA4-Umschlag mitbrachte: „Den wollte ich nicht knicken, deshalb bringe ich ihnen die ganze Post gleich mit.“
„Super, ich danke ihnen! Der Kaffee ist leider noch nicht fertig.“ Ich versuchte ein entschuldigendes Lächeln, weil er sonst auf dem Rückweg seiner Tour auf einen Kaffee vorbeikommt und mir IMMER die Post bis nach oben bringt, wenn der Briefkasten zu voll wird.
„Kein Problem, ich bin heute eh spät dran! Bis morgen!“ Er geht die Treppe hinunter, und ich schaue auf den Absender des Umschlags: Die Evangelische Jugend Hagen. Die Antwort. Eine zurückgeschickte Bewerbung, ich ließ den Umschlag ungeöffnet liegen und kochte mir erst einmal einen Kaffee. Als ich den ersten Schluck intus hatte, traute ich mich den Umschlag zu öffnen: „Sehr geehrte Frau Hinterberger, wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir Sie als Begleitung für unsere diesjährige jugendliche Gruppe der Jakobsweg-Wanderer für die Sommerferien 2008 ausgesucht haben. Selbstverständlich steht Ihnen ein ausgebildeter Reiseführer zur Seite, der fließend Spanisch und Französisch spricht und den Weg schon mehrmals mit Gruppen gegangen ist …“
„…und mindestens so hübsch aussieht wie Jud Law, aber mindestens!“, vervollständige ich den Satz. Ja!
In diesem Moment, Sie werden es schon ahnen, klingelt es an der Haustür. Und ja, auch das war nur ein Traum. Ich schaue genervt auf die Uhr neben meinem Bett: 12.35 Uhr. Super, wer ist das denn jetzt? Ich stehe also wirklich ein drittes Mal auf und bin mir jetzt sicher, dass das kein Traum ist. Wieder ein Bote, dieses Mal von DHL. Das ist ihre Zeit, also kein Streik und kein Traum. „Is``n Einschreiben, ich soll die Antwort SOFORT mitnehmen!“ Sein gelangweiltes Nuscheln ist wirklich, weil DAS nur die Realität so kann.
„O.K.!“ Er reicht mir – genau – einen ganz normalen Umschlag. Der stammt von der Wasserschifffahrtsbehörde, die für den Schiffs- und Passagierverkehr des Dortmund-Ems-Kanals zuständig ist. Die sagen mir für das Juni-Wochenende eine Mitfahrgelegenheit mit dem Kahn „Neue Welt“ zu. Einzige Bedingungen: Kaffee kochen können für den Kapitän, kein Problem mit dem Abwaschen und die Tagebucheintragung für die Dauer der Fahrt übernehmen. Ich schreibe nur „Ja!“ und gebe den Brief zurück an den ungeduldig wartenden DHL-Mitarbeiter. Das ist kein Traum, die sind immer so und ich habe nicht meinen roten Schlafanzug an ...
Und jetzt erst einmal einen Kaffee, oder?!
Ich schreibe ...

...BLAUE Geschichten
aus dem Nebel
heraus ...

Nachdem "Heriald" jetzt Millimeter vor der Startlinie steht - das bedeutet nur noch Stunden vor Druckauftragerteilung - ist dieser neue Montagstext irgendwie passend.
Hier geht es zum Montagstext.
Ihnen eine Woche mit
einer bekömmlichen und leckeren Buchstabensuppe!
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