Jeden Sonntag neu – 9 – So Einen braucht niemand

Jan und seine Oma verabschieden sich mit dieser vorerst letzten Geschichte in ihre wohlverdienten Sommerferien. Ich werde weiter jeden Sonntag in einem neuen Café sitzen und schreiben, aber das, an dem ich da(-nn) schreibe, wird noch nicht verraten…
Lasst euch überraschen!
Bis dahin wünsche ich euch allen einen tollen Sommer,
mit oder ohne Sommerloch!

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Die zugezogenen Vorhänge vor den Fenstern versperrten dem Sonnenschein dieser Juliwoche den Zugang. Im Zimmer blieb ein unwirkliches Dämmerlicht, das die Möbel mit einem gelborangefarbenen Schimmer überzog.
Jan lag im Bett und hatte die Bettdecke bis zu den Schultern gezogen. Nur die Hände lugten hervor und hielten, etwas zitternd, ein Buch in der Hand: Erebos, ein spannender Jugend-Thriller, den er trotz Fieber nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Es klopfte energisch an der Tür. „Jan, ich bring dir deinen Tee. Leg das Buch weg, bevor ich es dir wegnehme!“ Emmi Wellinghofen kam mit einem Riesentablett in Jans Zimmer.
„Oma, nicht schon wieder diesen Tee?“ Jan rümpfte die Nase. „Der riecht ja noch schlimmer als er schmeckt!“
„Ingwer-Tee ist gesund und hilft, mein Junge, also keine Diskussion, trinken und dann mache ich dir noch einmal Wadenwickel!“ Emmi Wellinghofen war wie immer hartnäckig.
Jan fügte sich in sein Schicksal. Er wusste, je schneller er seinen Tee trank und seine Oma mit den Wadenwickeln fertig war, umso schneller konnte er weiterlesen.
„Ich sehe genau, was du denkst, Jan Ferdinand Wellinghofen!“ Sie lachte. Jan wusste, wenn sie ihn mit seinem zweiten Vornamen, den er von seinem Opa bekommen hatte, anredete, dann gab sie vor streng zu sein, meinte es aber nicht ernst.
„Ach Oma, du weißt doch genau, dass ich genau wie du immer lesen kann und selbst jetzt hilft es mir. Ich kann nicht anders.“
„Ja, ich weiß, deshalb kannst du das Buch ja auch gleich über der Bettdecke lassen, dann musst du es nicht immer erst hektisch verstecken… Und geht es dir besser?“
„Ich glaube ja, ich kann schon länger an einem Stück lesen, ohne, dass mir die Augen zufallen, da ist ein gutes Zeichen. Und ich habe d e n Satz für den Virus, du weißt schon, der, den niemand braucht, gefunden.“
„Na, dann lass mal hören!“

„Der Virus ist kein Spiel.
Er beobachtet dich,
er spricht mit dir,
er belohnt dich
er prüft dich,
er droht dir.
Er hat nur ein Ziel: Er will KEINEN
Ingwer!“

(Buchcover Erebos, leicht verändert!)

Jan grinst über das ganze Gesicht, ebenso wie seine Oma, die mit Erleichterung feststellte, dass Jans Fieber endlich gesunken war.

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