Warum (m)ein Roman ein Prolet und ein Gedicht ein Poet ist

Szene 1:
Der Roman, der immer noch keiner werden will
Ich sitze hier im Sweet Pirates Coffee in Essen an der Rüttenscheider Straße und muss feststellen, dass die meinen Roman auch nicht gesehen haben.
„Sie haben ihn knapp verpasst“, sagt der Besitzer.
„Wie war er denn so?“, frage ich, ohne Fragezeichen im Gesicht.
„Oh…“, der Besitzer sucht nach Worten.
Das kenne ich, will ich sagen, sage ich aber nicht.
„Also Ihr Roman, wenn er das war, war noch ziemlich draufgängerisch, ohne zu wissen, wohin genau er wollte.“, sagt er etwas ausweichend ungenau und geht wieder ein wenig verlegen ins Sweet Coffee Pirates zurück.
Ach ja, wie gut ich meinen Roman doch verstehen kann. Ich bin ihm aber auf den Fersen, über Castrop-Rauxel, Münster, Dortmund, Oberhausen, zwei Wochen Spiekeroog, da war ich ihm sehr nahe, doch nur bis zum Fundbuch *Der Racheengel*.
„Lieber Roman, ich kriege dich…!“

Szene 2:
Der Roman, den ich jetzt nicht mehr will
Und da kommt auf einmal ein knallrotes Cabrio langsam die Straße herunter, die Musik aufdringlich auf volle Lautstärke. Und da sitzt er auf einem schwarzen Ledersitz, kitschige Sonnenbrille auf der Nase, das weiße Hemd lässig weit geöffnet – Na ja, das muss ich zugeben, braun ist er geworden, gut aussehen, tut er irgendwie auch…
Als er auf der Höhe des Cafés ist, fängt er an lauthals mitzusingen:
„Dein Lamentieren schnürt deine Ressourcen ab,
viel besser ist drüber lachen,
denn das Leben wischt dir den Arsch nicht ab,
das musst du schon selber machen.“
(Maybebop)
Grölt weiter mit, deutete eine vielsagende Verbeugung in meine Richtung an und fährt einfach weiter. Ich schaue ihm, bestimmt tagelang, verdattert hinterher.
Was ist das für ein Arsch von einem Roman?
Was fällt dem denn ein?
Dir fahre ich noch einmal hinterher, im Leben nicht!
„Kennen Sie den?“, fragt der sympathische Mann, rechts neben mir.
„Nein, und den…!“ Ich hole tief Luft.
„Verstehe und den wollen Sie auch nicht weiter kennenlernen!“ Er grinst und gibt mir einen Kaffee aus. „Ich bin K., k wie kein Roman!“, sagt er.
„Ich bin S.,S wie Schriftstellerin von keinem Roman!“

  1. Andreas sagt:

    Ich bin AW, Aw wie Antwort und ich antworte dir ungefragt.
    K führt dich zu Einem. Vertraue ihm und folge ihm. Lass dich fallen und denke nicht. Schreibe auf, was du erlebst. Er ist ganz nah. Suche ihn nicht. Er findet dich.

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