01. Montags im Café KT

Er sitzt immer am selben Tisch im Café KT. Nicht an den niedrigen, runden Tischen mit den Sesseln, sondern an den hohen Tischen mit den Stühlen. Das ist besser für seinen Rücken nach dem Bandscheibenvorfall vor zehn Jahren. Jeden Tag sitzt er da und trinkt einen Kaffee mit Milch und zwei Stück Zucker. Es ist kein Automatenkaffee. Filterkaffee, den er nachmittags immer mit seiner Frau getrunken hat. In der Woche zuhause und am Sonntag gemeinsam bei Spetsmann. Dann gönnten sie sich ein Stück Käsekuchen dazu.

„Herr Klauber, Ihre Tasse Kaffee und ein Stück Käsekuchen! Bitte sehr!“ Beate stellt beides vor ihn auf den Tisch.
„Danke, sehr freundlich von Ihnen, liebe Beate!“ Herr Klauber stellt die Tasse Kaffee links neben seinen Kuchenteller, dreht die Tasse herum und legt die Gabel mit der Serviette zwischen Tasse und Teller. Er ist Linkshänder und seine Sicht der Welt ist jeher eine andere als die der meisten gewesen.

Doch hier ist das egal. Hier kann er so sein wie er ist. Ohne seine verstorbene Frau Klara ist das Café mit den Menschen, denen er hier begegnet, ein Stück zu seinem Zuhause geworden.
„Welchen Kalenderspruch haben Sie uns heute mitgebracht?“ Beate bleibt abwartend an seinem Tisch stehen.
Herr Klauber zieht den abgerissenen Kalenderzettel vom 3. Februar 2014 aus seiner Hosentasche:
„Im Gleichgewicht kann alles nur eine gewisse Zeit bleiben.” Früher hatte er seiner Frau jeden Morgen den Spruch des Tages von ihrem Abreißkalender vorgelesen, der über ihrem Küchentisch hing. Heute nahm er ihn mit hierher und las ihn vor.

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