09 – Montags im Café KT – Eine Stunde geklaut

Herr Klauber saß draußen vor dem Café KT, unter dem Sonnenschirm im Schatten und gähnte herzhaft. Die Zeitumstellung am vergangenen Samstag brachte seinen Biorhythmus komplett durcheinander und es würde Monate dauern, bis sich sein Körper wieder daran gewöhnt hatte. Er gähnte noch einmal. Etwas, das er sonst überhaupt nicht von sich kannte. Er trank einen großen Schluck Kaffee.
Da sah er Mia über den Zebrastreifen auf das Café zukommen. Sie war in Begleitung eines jungen Mannes, der sich mit einer Umarmung von ihr verabschiedete und Richtung Krankenhaus Bethanien weiterging.
„Guten Tag Herr Klauber!“, begrüßte Mia ihn mit einem Strahlen.
„Einen schönen guten Tag, liebe Mia. Du strahlst ja heute mit der Sonne um die Wette! Setz dich zu mir und trink einen Kaffee mit mir, wenn du Zeit hast!“
„Gerne, ich gehe nur schnell hinein und bestelle!“ Mia war schnell wieder da und setzte sich zu Herrn Klauber.
„Wollen Sie wissen, warum es mir gerade so gut geht?“ Mia schaute ihn mit einem leuchtenden Funkeln in den Augen an.
Herr Klauber lachte laut. „Das war eine rhetorische Frage, oder?“
Mia lachte ebenfalls auf. „Ja, und was für eine! Ich war von Samstag auf Sonntag bei der ersten Schreibnacht im Jugendzentrum und habe mit anderen verrückten Schreiberlingen die Nacht zum Tag geschrieben. Es war anstrengend, aber unheimlich schön!“
Mias Augen glänzten. Ihre Augen bekamen immer diesen Glanz, wenn sie vom Schreiben erzählte.
Gerade kam Mias Cappuccino und ein großzügig geschnittenes Stück ihrer Lieblingsschokotorte, von der sie herzhaft eine große Gabel in den Mund schob und mit einem ebenso großen Schluck Cappuccino im Mund vermischte und herunterschluckte. Sie hatte genießerisch die Augen geschlossen.
„Mmmh, ist das gut!“
„Ja, wie immer!“, lachte Herr Klauber und trank den letzten großen Schluck Kaffee. „Du bist der erste Mensch, der in diesen Tagen nicht über die geklaute Stunde schimpft und stattdessen von geschenkten Geschichten erzählt.“
„Ja, die beste Möglichkeit, die Zeitumstellung nicht zu bemerken, ist, die Nacht zum Tag zu schreiben und den anschließenden Sonntag in der Sonne draußen auf der Wiese zu verschlafen und das Gefühl zu genießen, tolle Geschichten geschrieben zu haben.“
„Du bist also zufrieden, mit deiner Geschichte?“
„Ja, das bin ich! Ich habe sie Ihnen mitgebracht. Wollen Sie sie lesen!“
„Selbstverständlich!“, sagte Herr Klauber. „Magst du sie mir vorlesen?“
Mia schaute ihn entgeistert an, verschluckte sich prompt und begann zu husten. Sie wurde feuerrot im Gesicht.
„Also, äh, naja, vorlesen ist nicht so mein Ding!“ Zum ersten Mal hörte Herr Klauber sie stottern.
„Kein Problem, ich lese sie auch selbst. Ich mag das Vorlesen nur so gerne, sowohl vorgelesen zu bekommen, als auch selbst vorzulesen. Darf ich sie für uns beide laut lesen?“
„Ja, gerne!“ Mia rutschte etwas unruhig auf ihrem Stuhl hin und her.
Herr Klauber begann zu lesen.

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