16 – Montags im Café KT – Denk mal…

Foto: Initiative Iserlohn Denkmal

Herr Klauber hatte die Collage, die ihm Mia letzte Woche geschenkt hatte, rahmen lassen und ihr einen besonderen Platz an seiner Wand im Wohnzimmer gegeben. Ja, der leicht mattgoldene Rahmen brachte die liebevoll gestaltete Collage richtig zur Geltung. Ein solches selbstgemachtes Geschenk machte ihm mehr Spaß als eines, das mit Geld niemals zu bezahlen war: Ein gerahmtes Leben.
Mia hatte ihm von ihrem neuen Projekt erzählt. Sie wollte die Internetseite www.wennlebenerzaehlt.de online stellen, die kleine, große Geschichten der Menschen von der südlichen Innenstadt erzählten. So war sie am Samstag auch zum Frühlingsfest auf dem Fritz-Kühn-Platz gegangen und hatte sich da von den vielen Angeboten, den Ständen mit Infos und vielen Leckereien inspirieren lassen.
„Am meisten hat mir die Idee der Wächter-Fahrräder gefallen!“, sagte Mia beim gemeinsamen Kaffee im Café KT und zeigte Herrn Klauber ein Foto auf ihrem Smartphone.
„Sehen Sie, das sind Häuser, die von der Initiative Iserlohn Denkmal als gefährdet eingeschätzt werden und auf die macht ein rotes Fahrrad aufmerksam. Wie dieses Gebäude im Südengraben.“ Mias Augen glänzten beim Erzählen.
„Ja, dieses Gebäude kenne ich, das ist die Nummer 28 im Südengraben.“
„Wissen Sie auch, wie es genannt wird?“
Herr Klauber schüttelte stumm mit dem Kopf und und biss sich auf die Zunge und verzichtete so auf eine Antwort, weil er Mia nicht die Freude nehmen wollte, es ihm zu erzählen.
„Ich habe es auf der Internetseite gelesen. Es ist ein ‘[s]ogenanntes „Schmarotzerhaus“, weil die hintere Fundamentmauer auf den Resten der ehemaligen Stadtmauer steht, d. h. `mitnutzt´. Beispiel intensiver Nutzung selbst kleiner Parzellen für den Hausbau im beengten Stadtraum. Seitlich ehemals Gasse als Verbindung zur Inselstraße hinunter. (heute: Am Zeughaus)‘.“ Mia zeigte ihm ein neues Foto.
Herr Klauber holte seine Aktentasche hervor und holte einen Bildband hervor.
„Schau mal Mia. Hier findest du noch mehr von all den Geschichten, die dir die Häuser von Iserlohn erzählen können.“ Herr Klauber legte das Buch vorsichtig auf den Tisch zwischen ihre leeren Kaffeetassen.
„Wow, wo haben Sie das denn her?“, fragte Mia neugierig und strich fast ein wenig ehrfürchtig über den Einband.
„Aus dem Archiv. Und sei dir sicher, da sind noch viel mehr Geschichten!“, entgegnete Herr Klauber.
„ Na ja, es sollten nicht nur verstaubte Geschichten sein“, wendete Mia ein.
„Nur ohne diese verstaubten Geschichten, wie du sie nennst, würde es die von heute nicht geben. Also, bitte etwas mehr Respekt vor der Geschichte!“ Herr Klauber schaute sie nachdenklich an.
„Ja, Herr Klauber, ich habe verstanden. Dann sind Sie mein Geschichtsgedächtnis und so werden die Geschichten von heute noch viel besser, ob es Menschen, Häuser oder ganze Stadtteile sind.“
„Ja, liebe Mia, ich bin dabei. Darauf stoßen wir jetzt mit einer neuen Tasse Kaffee an. Was hältst du davon?“ Herr Klauber stand auf und bestellte zwei Tassen Kaffee. Ihm gefiel die Idee, den Geschichten der Menschen und Häuser zuzuhören und sie erzählen zu lassen.

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