Ein Café ist ein Café ist der Gemischtwarenladen

Für Maike und Magda

Ein Café ist ein besonderer Ort. Ein Ort, der in meinem Leben nicht wegzudenken ist. Hier komme ich hin, um den Alltag für einen Cappuccino lang vor der Tür stehen zu lassen. Hier kann ich abschalten und auftanken und genießen. Wohlfühleffekt³.
Bin ich das erste Mal in einer Stadt ist mein erster Gang in ein Café. Von dort aus, erkunde ich die Stadt, ihre Menschen und ihre Kaffeetrinkgewohnheiten. Ich finde immer besondere Café-Exemplare und wenn ich einen solchen Ort besonders mag, dann hat dieses Café einen neuen Stammgast gewonnen.

Einen, der so oft es geht, auf einen Miniurlaub am Rand einer Kaffeetasse vorbeischaut, belächelt von vielen anderen, die das nicht verstehen, müssen sie auch nicht, denn wer das nicht versteht, soll „mein“ Café auch nicht betreten und mit seinem Unverständnis für schlechte Luft und Atmosphäre sorgen.
Cafés sind noch so viel mehr als all das. Sie sind ein Stück Zuhause. Ein Ort, an dem ich sein, lesen und schreiben kann.
Cafés, die ich so sehr mag, leben von den Menschen, die sie mit Herzblut betreiben, die mit der besonderen Atmosphäre verbunden sind und die erst auf ihre ganz eigene Art für die Einmaligkeit sorgen.
„Du bist halt eine unverbesserliche Romantikerin in allen Lebensbereichen!“, sagte mir ein guter Freund, als ich ihm erzählte, wie sehr mich die Schließung dieses besonderen Cafés getroffen hätte. Bin ich das, wenn mich solche Dinge treffen, weil sie für mich sehr kostbar geworden und eben alles andere als selbstverständlich sind? Vielleicht bin ich das!
Ich frage mich, was können wir tun und was kann ich tun, dass ich einen solch besonderen Ort nicht verliere …
Ihn mit den Menschen, die ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist, schreibend und bleibend zwischen zwei Buchdeckeln würdigen!
Auf meine Art D A N K E sagen!

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Ein Schritt entfernt von der Gewohnheit wartet noch so viel mehr Leben und manchmal auch ein Eintopf

Herr Klauber ging die Unnaer Straße entlang und bog am halbrunden Modehaus B&U nach links, um in der Reinigung seine gebügelten Hemden abzuholen. Der unverkennbare Duft nach Möhren- und Kartoffeleintopf schlich sich in seine Nase. Dieser Duft ließ ihn vor dem Schaufenster einen Moment anhalten. Er schloss seine Augen, nahm eine Nase voll, und genauso wie sein Magen erinnerte er sich an den Eintopf, den ihm seine verstorbene Frau immer gekocht hatte.
Sein Magen knurrte unüberhörbar. Herr Klauber schmunzelte. Seine Hemden konnten warten, sein Magen offenkundig nicht. Im Schaufenster des Cafés, auf das er bisher noch nie sonderlich geachtet hatte, war eine gemütliche Sitzbank eingerichtet, davor standen zwei kleine Tische, die nicht besetzt waren. Die Farben der Inneneinrichtung, so viel konnte er sehen, waren dezent in Weiß und Türkis gehalten.
„Wieso eigentlich nicht?“, murmelte er und ging langsam die Stufen zum Café hinauf. Rechts ging es in die Räumlichkeiten des Cafés, links in einen Laden.
„Das wäre was für Mia“, dachte er laut.
„Was wäre etwas für mich?“, hörte er plötzlich eine ihm sehr vertraute Stimme. Mia!
„Wo kommst du denn her?“, fragte er verwundert.
„Na, 13 Uhr, ich habe Mittagspause. Da sah ich Sie und dachte mir, na, da schau her, der Herr Klauber wird doch wohl nicht etwas von seinen Gewohnheiten abweichen und in einem anderen Café fremd Kaffee trinken!“ Sie lachte laut, als sie die Unsicherheit in seinem Gesicht sah.
„Versprochen, ich verrate Sie nicht, wenn Sie mir verraten, was sie heute hierhin geführt hat!“
„Riechst du das nicht?“, fragte er, als er die Tür zum Café aufhielt.
„Mmh, Möhren- und Kartoffeleintopf. Verstehe!“ Mia lachte. „Herr Klauber, kommen Sie, heute gebe ich Ihnen einen aus.“ Sie ließ ihn vorgehen. Dieser Moment sollte ihm ganz allein gehören. Sie wusste, wie sehr ihn etwas Neues irritierte und verunsicherte. Ihn, den so sehr strukturierten Gewohnheitsmenschen, dem genau das Sicherheit gab. Und, dass ihn der Duft dieses Essens heute hierhergeführt hatte. Das war ein Zeichen, fand Mia.
„Wo möchte Sie sitzen, Herr Klauber?“ Mia zeigte auf die einladend dekorierten Tische.
„Im Schaufenster. Ich habe in meinem Leben noch nie in einem Schaufenster gesessen!“ Er ging zielstrebig auf den linken Tisch zu. Mia folgte ihm.
Als sie Platz genommen und sich ein wenig umgesehen hatten, wurden sie auch schon sehr freundlich nach ihren Wünschen gefragt.
„Wir hätten gerne zwei Portionen des Lieblingseintopfes von Herrn Klauber!“, sagte Mia und schaute ihn dabei an. Fast glaubte sie, eine Träne an seinem Auge zu sehen, so sehr nahm ihn diese außergewöhnliche Situation mit. Magda, die Mia schon kannte, war sehr aufmerksam und einfühlend obendrein.
„Ja, da haben Sie eine sehr gute Wahl getroffen. Darf ich Ihnen auch noch etwas zu trinken bringen?“
„Für mich bitte eine Fritz-Cola. Möchten Sie die auch mal probieren, Herr Klauber?“
„Ja, sehr gerne!“, sagte Herr Klauber, immer noch sichtlich um Fassung ringend, obwohl ihm anzumerken war, dass er immer mehr Gefallen an dem für ihn neuen Café fand, an Maike, die ihm ein wenig von der Geschichte des Gemischtwarenladens erzählte und all den neuen Eindrücken und Gerüchen, die ihn wie einen neuen Freund begrüßten.
„Ist es nicht toll, welche Überraschungen einen manchmal nur einen Schritt entfernt von der vertrauten Gewohnheit erwarten?“ Mia drückte kurz seine Hand.
Herr Klauber erwiderte ihren Händedruck und sagte leise: „Diesen Kalenderspruch, wenn es denn einer ist, den hätte ich niemals besser erleben können …“
Als er den ersten Löffel des Eintopfs probierte, strahlte er übers ganze Gesicht. „Der Eintopf ist wirklich sehr, sehr lecker!“
Mia schaute ihn an und aß ihren Eintopf mit einem noch viel größeren Appetit.
„Und danach gibt es noch einen Cappuccino mit einem Stück Zucchini-Zitronen-Tarte …“

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