Er ist wieder da und war nie weg

„Lasst es doch brennen!“
Dieser Satz brennt sich, einem unheimlichen Fackelzug gleich in mein Gehirn und zerfetzt dort meine Eingeweide und meinen Glauben an diesen Menschen in meiner Heimatstadt.
Es gibt sie immer noch, die, die immer noch nichts gelernt haben, die fett und vollgefressen, überkonsumiert vor dem Haus stehen, das zwei junge Männer in Brand gesteckt haben, die in Kauf nahmen, dass Menschen verletzt, getötet oder gar in den Flammen umkommen könnten.
Einer, ein Feuerwehrmann, der weiß, was das bedeutet, der weiß, wie man Feuer legt, legt ein Feuer. Fremdenfeindlich, aber nicht rechtsradikal. Kein Haftbefehl, weil keine Fluchtgefahr besteht. Auch diese Wortkombination „Keine Fluchtgefahr“ lasse ich mir brennend heiß auf der Zunge zergehen.
Keine Fluchtgefahr. Angst vor „denen“, war ein Motiv, die aus Angst um ihr Leben hierher flüchten und auf diese Menschen treffen. Die ihr Leben riskieren bis hierher nach Altena kommen und noch viel schlimmer auf diese ignoranten, feigen und ewig alten Menschen treffen, die sich trauen diesen Satz immer noch auszusprechen und auch so zu meinen.

„Lasst es doch brennen!“
Er steht da und sagt diesen Satz. Wort für Wort. Laut. Jedes Wort eine brennende Fackel, die zündeln will. Umstehende hören ihn ebenfalls. Kein unüberlegter und spontaner Satz, den man so daher sagt und beim Aussprechen schon wieder bereut. Wie viele haben genickt, geschwiegen und zugestimmt?

„Lasst es doch brennen!“
Er steht da und sagt diesen Satz, nicht einmal leise oder heimlich, nein, laut und auf der Straße. 2015 Altena. 1992 Mölln. 1938 überall in Deutschland, standen Menschen wie er auch so herum, sagten das, schwiegen, sahen zu und taten nichts.
Zum Glück gab es aufmerksame Nachbarn, die ich genauso lange kenne, die mir den Glauben zurückgeben, denn sie haben etwas getan und waren, wenn auch vielleicht zufällig, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sie wollten helfen, schon vorher und haben es in diesem Moment auch getan. Danke!
„Lasst ihn und andere nicht weiter mit Worten zündeln!“

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