Kaffee ist immer ein guter Anfang

Mia blieb einen Moment vor dem dunklen Café stehen. Die Welt war in Nebel aus lautem, bunten Getöse versunken. Sie drehte sich noch einmal um, als können sie da dem alten Jahr noch ein letztes Mal nachwinken. Ein hartes Jahr. Ein Jahr mit viel Arbeit. Eine Arbeit, die sie liebte und lebte. Eine Arbeit, die sie ihr Leben lang schon immer tun wollte: schreiben.
„Schön, dass du gekommen bist!“, sagte eine Stimme neben ihr.
„Ach, Herr Klauber, Sie auch hier? Ich dachte Silvester ist nicht so Ihr Ding!“, lachte Mia, als sie sein leicht gequältes Gesicht sah.
„Na ja, du hast mir gesagt, es würde sich lohnen; die Silvesternacht hätte etwas Magisches. Und jetzt stehe ich hier mitten in der Nacht am Seilersee, unter einer Autobahnbrücke und frage mich, was ich hier tue, obwohl ich in meinem warmen Wohnzimmer sitzen und gepflegt einen Whisky trinken könnte.“
„Ach Herr Klauber, wir beide wissen, dass Sie keinen Whisky trinken und eigentlich gar nicht hier sind. Ich spreche mit Ihnen in meiner Phantasie und in dieser Geschichte.“ Mia seufzte. „…oder ich spreche einfach nur mit mir!“
„Und, wieso sprichst du hier im Dunkeln mit mir und nicht mit diesem Konrad oder bist bei ihm und feierst wie alle anderen es tun?“ Herr Klauber legte sein Sitzkissen auf die Bank und setzte sich.
Mia schaute ihn an. „Also, Herr Klauber, Sie können es sich ja gerne in meiner Phantasie gemütlich machen, aber Sie fragen mich nicht nach Konrad, verstanden, das ist eine andere Geschichte!“
„Ja, Mia, ich weiß…“, sagte Herr Klauber leise. „Komm, setz dich zu mir, ich habe Kaffee in der Thermoskanne mit!“
Mia lachte leise. „Natürlich, was auch sonst!“
„Also, dann erzähl mal!“
Und Mia begann zu erzählen, ließ das letzte Jahr noch einmal an ihnen vorbeiziehen und wärmte dabei ihre kalten Finger an dem warmen Thermobecher Kaffee. Es tat gut hier zu sitzen und beim Reden zu merken, dass es ein hartes, aber verdammt gutes Jahr gewesen war.
„Ich glaube, da kommt dein Konrad! Ich ziehe mich dann mal diskret zurück.“ Herr Klauber deutete auf eine dunkle Gestalt, die vom Parkplatz auf die Bank zukam.
„Mit wem redest du da?“, fragte Konrad, etwas verlegen, denn er kannte die Antwort.
„Mit wem willst du dich hier treffen?“, fragte Mia, ebenso verlegen und hoffte die Antwort zu kennen.
„Was hältst du erstmal von einem Kaffee an einem Ort, der wärmer und etwas heimeliger ist als hier? „Maces, ich hätte da noch einen Kaffee frei.“ Konrad grinste schief.
Mia schaute noch einmal auf den See, der ruhig dalag. Sie wusste, dass dieser Eindruck trügerisch war und täuschte. Sie schaute Konrad an und dachte jetzt für diesen Moment erst einmal nur bis zu einem gemeinsamen Kaffee.
„Ja, Kaffee ist immer ein guter Anfang.“ Mia stand auf, winkte Herrn Klauber und dem letzten Jahr noch ein letztes Mal zu und ging neben Konrad zum VW-Bus, den sie dort geparkt hatte.

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