Grünraums Blogadventkalender 2019 – Türchen-Bergfest

Heute ist Halbzeit und Türchen-Bergfest beim Blogadventkalender meines Grünschreibraums! Seit mehr als zehn Jahren mein liebgewordenes Ritual in der Weihnachtszeit.
12 Türchen haben wir gemeinsam geöffnet und weitere 12 Türchen werden folgen.
Als kleines Dankeschön habe ich für euch, die ihr diese Geschichte jedes Jahr neu möglich macht und mitschreibt und mitlest, eine kleine von Henni autorisierte Randgeschichte für euch geschrieben.

„Blöde Zeitung!“, schimpfte Henni, knüllte die Zeitung zusammen und warf sie in den Mülleimer neben dem Kiosk. Jetzt hatte sie es nicht nur auf die Himmelsleiter, sondern auch noch direkt auf die Titelseite geschafft: Henni H. – Die Frau auf der Himmelsleiter.
„Und das Foto. Das sind wir nicht, oder Henni?“ Henni seufzte. Natürlich war sie das. Nicht nur, dass sie jetzt nicht mehr unbemerkt in der Stadt herumlaufen konnte, jetzt würden auch noch alle denken, sie hätte einen an der Waffel.
„Und das haben wir nicht, oder Henni? Einen an der Waffel haben wir nicht. Wir sind nur schon ganz schön alt geworden, wir beide.“ Henni trat von einem Bein auf das andere. Es war unangenehm nasskalt und sie hatte keine Zigaretten mehr. Ihre ehemals wasserfeste Winterjacke, ein Geschenk von Uwe, dem alten Haudegen hatte ihre besten Jahre auch hinter sich. Uwe leider auch, denn er war letztes Jahr gestorben. Aber, wenn sie seine Jacke anhatte, dann war das ein bisschen so, als wäre er immer noch da.
Und deshalb war sie auch hier im Park auf diese verfluchte beleuchtete Leiter geklettert, weil sie dachte, wenn es stimmte, wenn wirklich etwas Wahres dran war, an dem, was die Leute erzählten, dann könnte sie auf der Leiter wirklich ihr eigenes kleines blaues Wunder erleben und einen Wunsch wahr werden lassen. Nur den einen Wunsch, diesen einen Herzenswunsch.
„Ich würde es jedes Mal wieder tun!“, seufzte Henni. Das hatten sie auch in der Zeitung geschrieben, dass sie wirklich geglaubt hatte, ihren Uwe noch einmal zu sehen und irgendwie hatte sie das ja auch. Aber das ist eine andere Geschichte und wird woanders erzählt, wenn die Sprossen der Leiter ausreichen, ihr wisst schon, was ich meine, oder?!
Und das war ihr natürlich auch schon ein bisschen peinlich, das mit dem Uwe und all dem, was da in der Zeitung stand, so schwarz auf weiß für alle, die lesen konnten. Und die lasen jetzt, dass sie ihm das ja nie selbst gesagt hatte, aber eben allen erzählt hatte, sie hätte Uwe das erzählt und er hätte sie auch geliebt. So ein Schmalz-Kram eben. Geschimpft hatte sie immer mit ihm, weil er so viel geraucht hatte und immer mit der Martha geflirtet hatte, der blöden Kuh aus der Altstadt, die mit der Dauerwelle. Naja, deshalb hatte Henni auch nicht alles erzählt und nur ein wenig geflunkert.
„Wir müssen los!“, sagte Henni und schaute auf die Uhr. Eine Stunde nach Mitternacht, da machten die Security-Typen vom Weihnachtsmarkt ihre Übergabe. Diesen Moment würde sie ausnutzen und sich mit Uwe treffen. In der blauen Gondel des kleinen Riesenrads vor der Bücherei.

  1. Eseilenna sagt:

    Eine Geschichte neben der Geschichte, die einige Impulse bringt und offene Enden zum Weiterspinnen bietet. Spannend, was passiert in der Gondel …?
    Danke für die Idee, Sabine.
    Es bringt immer wieder Spaß mitzuschreiben!

  2. Annemarie Winckler sagt:

    Liebe Sabine,
    endlich ist Uwe leibhaftig mit drin in der Geschichte. Ich hatte doch schon eine Steilvorlage mit der tiefen Stimme gegeben und täglich seit dem 8. Dezember auf sein Erscheinen gewartet. Mal schauen wie es jetzt weiter geht mit den beiden.
    Adventliche Grüße
    Anne

  3. […] kleines Dankeschön für eure tägliche Unterstützung beim Mitschreiben und Mitlesen habe ich hier eine kleine von Henni autorisierte Randgeschichte geschrieben […]

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